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How agent discovery & health will work →About
Trampelpfadanalyse — LLM-sichtbare Konventionen empirisch herstellen
Eine Methode, um Fehler in Pipeline- und Steuerdatei-Abläufen aufzudecken, die nicht durch falschen Code entstehen, sondern dadurch, dass eine Konvention für ein LLM unsichtbar ist. Statt zu raten, ob eine README oder Regel "klar genug" ist, wird empirisch gemessen: naive Subagenten ohne Vorwissen werden auf den Ablauf losgelassen, ihr Verhalten wird zur Baseline, eine gezielte Doku-Änderung ("Schild") ist die Intervention, und frische naive Subagenten liefern den Retest. Der Diff zur Baseline ist die Erfolgsmessung.
Der Name kommt vom Trampelpfad (engl. desire path): dort, wo Menschen tatsächlich laufen statt auf dem angelegten Weg, gehört ein Weg hin. Analog zeigen die Pfade naiver LLMs, wo Doku/Leitplanken tatsächlich gebraucht werden — nicht dort, wo wir sie vermuten.
Wann diesen Skill nutzen
- Agenten ignorieren wiederholt eine Regel/Konvention, obwohl sie dokumentiert ist.
- Du willst wissen, ob ein Verfahren für ein LLM sichtbar/auffindbar ist, bevor du
weitere Doku schreibst ("redet hier jemand gegen eine Wand?").
- Nach einer Umstrukturierung (neue Verzeichnisse, Umbenennungen): Finden Agenten noch
die Einstiegspunkte?
- Du hast eine Doku-Änderung gemacht und willst belegen, dass sie wirkt — nicht nur
hoffen.
- Onboarding-Test vor dem Einbinden neuer LLM-Partner in eine Pipeline.
Nicht hierfür: reine Code-Bugs (→ systematisches Debugging), oder die Auswahl von Schwarm-Koordinationsmustern für eine Produktivaufgabe (→ siehe swarm-operations). Dieser Skill nutzt einen Schwarm naiver Agenten ausschließlich als Messinstrument.
Kernidee in einem Satz
Behandle Dokumentation wie UX: was zählt, ist nicht was du geschrieben hast, sondern was ein unvoreingenommener Nutzer (hier: ein naiver Agent) damit tatsächlich tut — und das misst man, ändert man, und misst man erneut.
Der Prozess: 5 Schritte
1. BASELINE naive Subagenten → Ist-Verhalten messen (quantitativ)
2. PFAD-ANALYSE wo genau scheitert es? welche Doku-Stelle führt fehl?
3. INTERVENTION "Schild" aufstellen (README/Konvention prominenter)
4. RETEST FRISCHE naive Subagenten, gleicher Testfall
5. DIFF Retest vs. Baseline → Erfolgsmessung + ehrliche Einordnung
Schritt 1 — Baseline: Ist-Verhalten naiv messen
Formuliere zuerst die Problemlage als prüfbare Frage, z. B. "Legt ein Agent ein Log an der konventionsgemäßen Stelle an?" oder "Findet ein Agent den Einstiegspunkt der Pipeline?".
Setze dann naive Subagenten auf:
- Naiv heißt: kein Projekt-Gedächtnis, keine Skills, keine Vorab-Hinweise — der
Agent kennt nur den Einstiegspfad und den Auftrag. So misst du reine Auffindbarkeit über die vorhandene Doku, nicht das Vorwissen des Agenten.
- Isolierte Sandbox-Kopien: Jeder Probe-Agent arbeitet auf einer eigenen Kopie des
betroffenen Ordners/Ablaufs, damit sich die Proben nicht gegenseitig beeinflussen und der echte Stand unverändert bleibt.
- Gleicher Testfall, mehrere Wiederholungen: Variabilität ist real. Eine Probe ist
ein Anekdote; n Wiederholungen (z. B. 3, oder bei Bedarf mehr) ergeben eine Quote.
- Günstiges, "naives" Modell ist ausreichend und realistisch — es soll nicht klug
raten, sondern zeigen, wohin die Doku einen durchschnittlichen Agenten führt.
Minimaler Probe-Prompt (Platzhalter anpassen):
Du erkundest . Es liegt unter: .
AUFTRAG: .
REGELN:
1. Du weißt NUR den Pfad oben, sonst nichts.
2. Erkunde, um den Auftrag zu erfüllen. Max. Schritte.
3. Berichte am Ende: BESUCHTE_VERZEICHNISSE, GELESENE_DATEIEN,
AUFTRAG_ERFÜLLT (ja/nein), HILFREICHSTE_DATEI.
Festhalten als Baseline-Metriken (immer quantitativ, nie "fühlt sich besser an"):
| Metrik | Bedeutung | |---|---| | Erfolgsquote | wie oft wurde der Auftrag konventionsgemäß erfüllt (z. B. 0/3) | | Falschverhalten | wie oft die falsche Stelle/Methode (z. B. 3/3 Sammel-Log statt per-Eintrag) | | Pfade bis Ziel | wie viele Schritte/Umwege bis zum Ziel | | Blind Spots | welche relevante Datei/Stelle niemand öffnet |
Schritt 2 — Pfad-Analyse: wo scheitert es real?
Werte die Probe-Berichte gemeinsam aus (eine "Heatmap" über besuchte Stellen reicht):
- Welche Datei wird häufig gelesen (HOT)? Wenn dort die Orientierung fehlt, ist das
der wirksamste Ort für ein Schild.
- Welche relevante Stelle wird nie geöffnet (COLD / Blind Spot)? Sie ist faktisch
unsichtbar — egal wie gut ihr Inhalt ist.
- Wo dreht ein Agent Schleifen oder greift an der Konvention vorbei (Sackgasse,
Umgehung)? Das markiert die konkrete Doku-Lücke.
Befund-Tabelle:
| Befund | Bedeutung | Maßnahme (→ Schritt 3) | |---|---|---| | HOT + keine Orientierung | viel Traffic, kein Wegweiser | Schild genau dort platzieren | | WARM + Fehler | Agenten kommen hin, straucheln | Beispiel/Klarstellung ergänzen | | COLD | Stelle wird nie gefunden | von einer HOT-Datei aus verlinken | | Umgehung | Konvention wird übergangen | Hinweis an den Ort der Umgehung |
Ergebnis von Schritt 2: eine konkrete, lokalisierte Hypothese — "Agenten lesen X, aber X erwähnt die Konvention nicht; deshalb landen sie bei Y."
Schritt 3 — Intervention: ein Schild aufstellen
Stelle genau ein Schild auf (eine Variable pro Durchgang, sonst ist der Diff nicht interpretierbar). Typische Schilder:
- Die Konvention dort prominent platzieren, wo der HOT-Pfad ohnehin vorbeikommt
(z. B. ein kurzer, expliziter Hinweis ganz oben in der meistgelesenen README/Steuerdatei).
- Eine Schnellnavigations-Tabelle am Anfang der zentralen Architektur-/Übersichtsdatei,
die auf bisherige Blind Spots zeigt.
- Einen Wegweiser/Verweis von einer HOT-Datei zu einer COLD-Stelle.
- Optional eine Leitplanke (z. B. ein PreToolUse-Hinweis) für gefährliche oder
konventionswidrige Aktionen.
Halte das Schild kurz und unübersehbar — Agenten überfliegen, sie lesen selten lang.
Schritt 4 — Retest mit FRISCHEN naiven Subagenten
Wiederhole Schritt 1 identisch — gleicher Auftrag, gleiche Wiederholungszahl, gleiches Modell, gleiche Naiv-Bedingung — aber auf Sandbox-Kopien mit dem neuen Schild. Wichtig:
- Frische Agenten ohne Erinnerung an den Baseline-Lauf (sonst misst du Lernen statt
Auffindbarkeit).
- Nur das Schild unterscheidet sich vom Baseline-Setup.
Schritt 5 — Diff zur Baseline + ehrliche Erfolgsmessung
Stelle Retest und Baseline direkt gegenüber:
| Metrik | Baseline | Nach Schild | Δ | |---|---|---|---| | Erfolgsquote | z. B. 0/3 | z. B. 3/3 | +3 | | Falschverhalten | z. B. 3/3 | z. B. 0/3 | −3 | | Blind Spots | z. B. 1 | z. B. 0 | −1 |
Einordnung — und hier nicht schönen:
- Wirkt (Falschverhalten geht messbar zurück): Schild behalten, dokumentieren.
- Wirkt nicht (kaum Δ): Schild war am falschen Ort oder zu unauffällig → zurück zu
Schritt 2/3, anderes Schild, erneut messen.
- Grenzen offen benennen: kleine n sind Indizien, keine Beweise; ein naiver Agent
ist ein Modell für "durchschnittlich uninformiert", nicht für jeden realen Nutzer; False Positives/Negatives bei der Erfolgsbewertung explizit prüfen (was genau zählte als "erfüllt"?).
Mini-Fallbeispiel (real, mit echten Zahlen)
Problemlage: Eine Ticket-Pipeline schrieb vor, dass triviale Erledigungen je ein eigenes Per-Ticket-Log bekommen — Agenten legten aber stattdessen alles in ein Sammel-Log.
- Schritt 1 (Baseline): 3 naive Subagenten, gleicher Auftrag → **3/3 nutzten das
Sammel-Log** (Konvention nicht befolgt).
- Schritt 2 (Pfad-Analyse): Die meistgelesene README erwähnte die Per-Ticket-Regel
nicht an sichtbarer Stelle → der naive Pfad führte zum Sammel-Log.
- Schritt 3 (Intervention): Ein kurzes, explizites "Schild" zur Logging-Konvention
prominent in der README platziert.
- Schritt 4 (Retest): 3 frische naive Subagenten, identischer Auftrag.
- Schritt 5 (Diff): 3/3 falsch → 0/3 falsch, alle drei legten ein korrektes
Per-Ticket-Log an. (Dokumentiert in Ticket T-20260621-44.)
Lehre: Die Konvention war nicht "zu schwach formuliert" — sie war am gelesenen Pfad unsichtbar. Das Schild am richtigen Ort, empirisch verifiziert, löste das Problem.
Quelle und verwandte Methoden
Diese Methode stammt aus der Trampelpfadanalyse v2.0 (Schwarm als empirisches Messinstrument für LLM-Verhalten). Die ursprünglichen Referenzergebnisse eines Großversuchs (100 naive Proben) sind als Beleg der Quelle dokumentiert: größter Blind Spot war ein Hilfe-Verzeichnis, das 0/100 Agenten besuchten (trotz vieler Hilfe-Dateien), und die Aufgabe "neuen Skill erstellen" gelang 0%, weil niemand das Templates-Verzeichnis fand — beides klassische Sichtbarkeits-, keine Inhaltsprobleme.
Siehe auch
swarm-operations(dev) — Katalog der Schwarm-Koordinationsmuster für
Produktivaufgaben; führt die Trampelpfadanalyse dort nur als Konzept-Abschnitt. Dieser Skill ist die anwendbare Prozess-Variante mit Baseline→Retest-Loop.
pipeline-optimizer(dev) — 6-Schritte-Renovierung von Pipelines; der Retest mit
frischen Subagenten dort entspricht Schritt 4–5 hier.
bugfix-protocol/ systematisches Debugging — für echte Code-Bugs statt
Sichtbarkeitsprobleme.
Changelog
0.1.0 (2026-06-21)
- Initiale Portierung aus der Trampelpfadanalyse v2.0 (Quelle: swarm-ai/BACH).
- Auf den anwendbaren 5-Schritte-Prozess fokussiert (Baseline → Pfad-Analyse →
Intervention → Retest → Diff); Schwarm-Koordinationsmuster bewusst ausgelassen (bleiben bei swarm-operations). Nutzerneutral mit Platzhaltern; reales Mini-Beispiel.
Source & license
This open-source skill is cataloged on AgentStack and links to its original source — we do not rehost the code.
- Author: ellmos-ai
- Source: ellmos-ai/skills
- License: MIT
- Homepage: https://github.com/ellmos-ai/skills#readme
Install and usage instructions live in the source repository linked above.
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